Paul Léautaud Kriegstagebuch 1939–1945

Leseprobe Paul Léautaud, einer der großartigsten Tagebuchautoren der Weltliteratur, empfand den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Besetzung Frankreichs als schändliche Vergewaltigung seiner geliebten französischen Kultur. Im Gegensatz zur Sprache, die er mit ihnen teilte, waren seine Landsleute ihm dagegen herzlich egal. Dieses Kriegstagebuch hat es folglich in sich: Léautaud betrachtete die Franzosen unter deutscher Besatzung wie ein böser Kater von der Sorte, mit denen er sich in seinem Haus umgab. Seine virtuose Misanthropie riss ihn zu radikalen ­Urteilen hin. Aber das macht diese geschliffenen Aperçus und Beobachtungen des Pariser Lebens im Krieg umso interessanter.

»Nie hat es einen Kritiker gegeben, der den Vorgang des Kritisierens selbst so erstaunlich und wahr zu gestalten gewußt hat. Das ist die außerordentliche Kunst dieses Mannes.«
Walter Benjamin


Paul Léautaud
Kriegstagebuch 1939–1945
Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort von Hanns Grössel
192 Seiten · Halbleinen · fadengeheftet · 164 x 228 mm
Frühjahr 2011
ISBN 978-3-937834-42-9
EUR 20,00


Paul Léautaud
geboren 1872, gestorben 1956 in Paris, ist zusammen mit dem Herzog von Saint Simon der vielleicht ergiebigste, gebildetste und boshafteste... mehr

Hanns Grössel
1932 geboren in Leipzig, aufgewachsen in Kopenhagen, studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Göttingen und Paris, war Verlagslektor... mehr



Rezensionen:


»In Paul Léautauds Kriegstagebuch ergänzen sich Humanität, radikales Denken und ein abenteuerlicher Geist gegenseitig.«

Hansjörg Graf, Neue Zürcher Zeitung

»Das Buch bietet die einmalige Möglichkeit eine der originellsten Figuren der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts (wieder) zu entdecken. Léautaud war sicher kein angenehmer Mensch. Aber ein großer Schriftsteller.«

Martin Lüdke, Frankfurter Rundschau

»Neben André Gide ist dieser Mann der andere große französische Tagebuchschreiber des letzten Jahrhunderts: sachlicher, schärfer, bissiger, böser. [...] Für uns Nachgeborene wirkt die Lektüre dieses Buches mit seiner Amoral in dieser Auswahl und in dieser Übersetzung aufregend in jeder Beziehung.«

Joseph Hanimann, Süddeutsche Zeitung

»Paul Léautaud breichert unsere Kenntnis des politischen wie moralischen Clair-obscur der Besatzungszeit. Es winkt eine muntere, anregende, allerdings streckenweise erschreckende Lektüre.«

Christian Semler, die tageszeitung

»Wirklich bei sich war Léautaud in seinem Journal, das er mit der Zeit als beständig fortzuschreibendes Werk eigener Art ansah.«

Helmut Mayer, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Léautaud war ein misanthropischer Sonderling, der auf den Markt gepfiffen hat. Deshalb liest er sich bis heute so gut.«

Michael Schweizer, Berliner Zeitung

»Pointiert beschreibt Léautaud, was ,Aufklärung' in Zeiten des Krieges bedeutet.«

Ulrich Baron, Deutschlandradio Kultur

»Seine virtuose Misanthropie riss Léautaud zu radikalen Urteilen hin. Aber das macht diese geschliffenen Aperçus und Beobachtungen des Pariser Lebens im Krieg umso interessanter.«

Gerd Schäfer, SR2

»Schlackenlos, zierdenlos, mit Klarheit und frappierender Einfachheit zeichnete er auf, was er um sich herum wahrnahm und hörte. [...] Dabei bleibt der Autor streng subjektiv, glaubt längst nicht alles, was erzählt und in Zeitungen berichtet wird, versucht nie den Zeit-Historiker zu ersetzen und doch ist dieses literarische Tagebuch ein veritables Dokument, das der historisch interessierte Leser nicht versäumen, nicht übersehen sollte.«

Wilhelm Hindemith, SWR2

»In jedem guten Schriftsteller gibt es den Impuls, sich nicht gemein zu machen. Das Buch setzt diesem Impuls ein kleines Denkmal. Es ehrt einen gewiss nicht angenehmen Menschen. Aber es erinnert uns daran, was für eine Kulturleistung es sein kann, nicht angenehm zu sein.«

Robin Detje, Cicero

»Ein liebevoll und sorgfältiger aufgemachter Band. [...] Die Aufzeichnungen bieten für heutige Leser einen Anlass, darüber nachzudenken, wie sie sich zu ihrer Gegenwart und deren unheilvollen Problemen verhalten.«

Karl-Ludwig Baader, Hannoversche Allgemeine Zeitung