Das Cover von Bauen am nationalen Haus
Philipp Oswalt
Bauen am nationalen Haus
Architektur als Identitätspolitik

Der Wiederaufbau historischer Symbolbauten gilt als Engagement für historisches Bewusstsein, architektonische Schönheit und Reparatur von Stadtraum. Doch die vermeintlich unpolitischen Fassaden zielen auf eine Änderung unseres Geschichts- und Gesellschaftsverständnisses: Populistisch werden Zeiten vor 1918 idealisiert, Brüche negiert, gewachsene Identitäten überschrieben. Und immer wieder sind Rechtsradikale an diesen Projekten beteiligt, als Initiatoren oder Großspender. Philipp Oswalt zeigt die ideologischen Hintergründe der Debatte an Fallbeispielen auf. Ob Garnisonkirche Potsdam, neue Altstadt oder Paulskirche in Frankfurt, Berliner Schlosskuppel oder die Dessauer Meisterhäuser – Oswalt diskutiert jenseits einseitiger Sichtweisen, mit Gespür für das Einsickern reaktionärer Vergangenheitsinterpretationen und identitätspolitisch unterlegter Ideologien in die zeitgenössische Stadtplanung. 

Mit einem Vorwort von Max Czollek
Originalausgabe
240 Seiten ˑ Abbildungen ˑ Klappenbroschur ˑ 120 x 183 mm
Auch als e-Book erhältlich
ISBN: 978-3-949203-73-2
Autor

Philipp Oswalt

Philipp Oswalt, geboren 1964, lebt als Architekt und Publizist in Berlin. Er war u. a. Leiter des Projektes »Schrumpfende Städte« der Kulturstiftung des Bundes (2002–2008) und Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau (2009–2014). Seit 2006 lehrt er als Professor für Architekturtheorie und Entwurf an der Uni Kassel. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zur zeitgenössischen Architektur und Stadtentwicklung.

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Mit einem Vorwort von

Max Czollek

Max Czollek, geboren 1987, ist Autor und lebt in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Magazins »Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart« und seit 2021 Kurator der Coalition for a Pluralistic Public Discourse (CPPD) für eine plurale Erinnerungskultur. Er hat drei Gedichtbände publiziert, bei Hanser erschienen bisher seine vieldiskutierten Essays »Desintegriert euch!« (2018), »Gegenwartsbewältigung« (2020) und »Versöhnungstheater«. 2022 war er Ideengeber und Kokurator der Ausstellung »Rache. Geschichte und Fantasie« am Jüdischen Museum Frankfurt, deren Begleitband ebenfalls bei Hanser erschien.

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EUR 22,00

Rezensionen

»(...) ein wertvoller Beitrag in der immer noch wütend geführten Rekon­struk­tions­debatte.«

FLORIAN HEILMEYER, TAZ

»Philipp Oswalt hat mit ›Bauen am nationalen Haus. Architektur als Identitätspolitik‹ ein Buch vorgelegt, das weit über die fachliche Debatte um Rekonstruktion, Architektur und Städtebau hinaus bedeutsam ist für den zivilgesellschaftlichen politischen Diskurs über Baukultur in Zeiten der Krise der Repräsentation auch hierzulande. «

SWR2

»Das Buch hat seine Stärken darin, Kontroversen zum Wiederaufbau mit zahlreichen Quellenangaben chronologisch zu dokumentieren.«

MATTHIAS BUSSE, BLICKPUNKT

»Das Buch liest sich wie ein Krimi und sollte als Entscheidungshilfe für Kommunalpolitiker dienen, die das ›Bauen am nationalen Haus‹ auf ihre Fahnen schreiben.«

KUNSTBUCHANZEIGER.DE

»Philipp Oswalts Buch hinterfragt die geschichtspolitische Programmatik hinter originalgetreuen Nachbauten und zeigt Alternativen geschichtsbewusster Rekonstruktion. Seine Betrachtungen gehen weit über die fachliche Debatte um Rekonstruktion, Architektur und Städtebau hinaus. Sie sind wichtig und anregend für den politischen Diskurs über Baukultur in diesen Zeiten der Krise der Repräsentation.«

ANSELM WEIDNER, SWR

»Die sechs Kapitel liefern sehr viel Wissen und Argumente, um neu auf das alte Neue in den Städten zu schauen.«

Logbuch

»Bauen am nationalen Haus ist ein Buch, das Erkenntnisse dazu liefert, wie sich der hiesige Umgang mit verlorenen Bauten hohen Symbolwerts besser gestalten ließe als heute. «

MATTHIAS WARKUS, 54 BOOKS

»Philipp Oswalt hat mit ›Bauen am nationalen Haus‹ ein Buch vorgelegt, das weit über die fachliche Debatte um Rekonstruktion, Architektur und Städtebau hinaus für den politischen Diskurs über Baukultur in diesen Zeiten der Krise der Repräsentation bedeutsam ist.«

ANSELM WEIDNER, BAUWELT

»Wenn Sie mehr wissen wollen über das ›Einsickern reaktionärer Vergangenheitsinterpretationen und identitätspolitisch unterlegter Ideologien in die zeitgenössische Stadtplanung‹, (...), dann sollten Sie zu diesem Buch greifen.«

Klaus Nilius, Ossietzky

»Philipp Oswalt gelingt es in unterhaltsamer Manier die Entwicklungen der Debatte um historische Rekonstruktionen seit den 1980er-Jahren darzustellen (...). Die Lektüre lohnt sich also nicht nur für Menschen mit Interesse für Architektur, sondern für alle antifaschistisch eingestellten, die ehrlich bestrebt sind, Erinnerungskultur auch im Stadtbild verankern zu wollen.«

Kristin Caspary, antifa

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